19.Juli 2008 - Der Tag an dem ich endlich meinen Geburtstagsgutschein für 1 Motorradwochenende bei Andrea einlösen kann . Die Tour startete am Samstag sehr früh und sollte uns über's Gaberl, Turracher Höhe,  Nockalm Strasse, Katschberg, Radstätter Tauern, Dierntner Sattel, Roßfeld Ringstraße und Übernachtung in Salzburg Stadt im Oekotel führen. Leider kam es anders als geplant. Denn bereits ein Stück nach St. Georgen ob Murau wurden wir von einer einheimischen Autolenkerin gestoppt. Die gute Frau hat uns schlichtweg übersehen, zumindest lautet so die offizielle Aussage im Polizeibericht.

Mit der Aktion haben Andrea und ich natürlich nicht gerechnet, denn es war Freiland und eigentlich Tempo 100 km/h erlaubt. GsD war ich nur mit um die 70 km/h unterwegs, dennoch war ein Aufprall unvermeidbar. Die Bodendorferin zog nämlich in einem Zug auf unsere Fahrtspur und erwischte uns gerade noch mit ihrer linken vorderen Stoßstange. Der Golf hebelte uns aus, dadurch wurde uns ein Freiflug von geschätzten 20 m (lt. Aussage Polizeibericht) beschert. Zum Stillstand kamen wir vor dem ältesten Gasthaus der Steiermark, welches wir gerne auf andere Art und Weise kennen gelernt hätten.

Nach kurzer Desorientiertheit habe ich den vollen Umfang des Unfall zumindest bei mir realisiert. Die Schmerzen waren unerträglich und mein Oberschenkelknochen ragte aus der Lederkombi, kein schöner Anblick und vor allem gingen mir irre Gedanken wie: "Ich verliere jetzt sicher mein linkes Bein!" durch den Kopf. Neben mir lag Andrea die auch über Schmerzen in der Hand und am Rücken klagte. Dennoch Erleichterung: Wir beide sind noch am Leben!!!

Wahnsinnig schnell (5 - 10 min. - gefühlte Ewigkeit, aufgrund der Schmerzen) war der Notarztwagen aus Murau da und legte mir die alles erlösende Infusion, welche mich ins Land der Träume schickte. Der Rest wurde mir nur erzählt, also vom Huberer Flug ins LKH Klagenfurt kann ich "leider" nix berichten, denn da wirkte noch der Schlafsaft in meinen Venen. Nach mehr wie 5 Stunden Operation, kamen die alles entscheidenten Worte meines Operateur: a.) Andrea geht es gut, sie wurde an der Hand operiert, hat einen Kahnbeinbruch und schwere Prellungen, liegt aber im UKH Klagenfurt und b.) mein Bein ist dran und es wird aller voraussicht nach wieder alles so wie es vorher war. Diagnose linkes Bein: offener Oberschenkelbruch, gebrochene große Zehe und Rissquetschwunde am linken Fuss und ebenso schwere Prellungen über den ganzen Rücken. Diagnose Speedy: Totalschaden

Andrea durfte schon nach 2 Nächten nach Hause und da bin ich ihr dann gefolgt, allerdings nicht nach Hause sondern ins UKH Graz. Glücklicherweise bin ich OEAMTC Mitglied und die Überstellung von Klagenfurt nach Graz ist Bestandteil meiner OEAMTC Mitgliedschaft. Hier muss ich mal ganz großes Lob an den Club aussprechen. Der Herr in Wien bei der Notrufnummer hat sich sensationell um ein Zimmer für mich in Graz gekümmert und auch der Rest (Abschleppen, Hubschraubereinsatz) wurde äußerst professionell vom OEAMTC abgewickelt.

Im UKH wurde mir der Aufenthalt durch das äußerst nette Pflegepersonal leicht gemacht. Die ersten Therapien starteten sofort und zeigten auch umgehend Wirkung. Die Schwellung ging rasch zurück und die Beweglichkeit im Knie nahm täglich ein paar Grad zu. Zum Zeitpunkt der Einlieferung konnte ich das Knie nur 30 Grad abbiegen, am Tag der Entlassung waren es dann schon 70 und ich arbeite täglich an mir das es mehr werden.

DANKE!!!
Ein ganz großes Danke an unsere Ersthelfer, einschließlich der Polizei Murau, dem Ärzte- und Pflegeteam im LKH und UKH Klagenfurt, welche ausgezeichnete Soforthilfe geleistet haben bzw. uns wieder so zusammen geflickt und gepflegt haben, dass wir eine Zukunft auf 2 Beinen bzw. mit 2 funktionierenden Armen haben. Des weiteren dem Ärzte-, Therapie- und Pflegeteam des UKH Graz, die mich nach 12 Tagen so weit fit gemacht haben, dass ich zumindest einigermaßen gehen kann und diverse Tätigkeiten alleine im Haushalt machen kann. Last but not least der Familie, Freunden und Kollegen! Denn diese mussten bange Stunden bis zur Entwarnung des Ärzteteam verbringen, da ja vorerst keiner genau sagen konnte wie schwerwiegend unsere Verletzungen sind. 

Seitens der Family gibt es nach wie vor unglaublichen Support ohne den ein "normales" Leben zu Hause gar nicht möglich wäre, da Andrea und ich nicht in der Lage sind einen PKW zu lenken, einzukaufen usw.. GANZES DICKES DANKE EUCH ALLEN!!! WIR SIND SO FROH FREUNDE, KOLLEGEN UND VORALLEM SO EINE TOLLE FAMILIE ALS RÜCKHALT ZU HABEN.

ENDE
Mein Herz schlägt weiterhin für die Freiheit auf 2 Rädern, nur habe ich meiner Tochter Celina am Krankenbett in Klagenfurt noch versprochen so schnell kein Motorrad mehr mein Eigen zu nennen. Die Tränen in ihren Augen und die Tatsache, dass sie ursprünglich geglaubt hat wir wären Tod, als sie irgendwie das Gespräch zwischen Oma und Polizei aufschnappte, löste in mir Gänsehaut aus und die Entscheidung fiel mir somit leicht, mich gegen das Motorrad fahren zu entscheiden. Ich möchte es keinem zumuten, einer meiner Töchter zu sagen, dass Papa nie wieder nach Hause kommen wird, weil er auf dem Motorrad verunglückt ist. Das alles war mir zwar auch vorher bewusst, nur bin auch ich immer nach dem Motto:"...mir passiert so etwas nicht!" oder wenn mal was in der Zeitung stand habe ich es mit: "Der hatte aber auch großes Pech gehabt!" abgetan usw.. Wenn es dich selber erwischt und du in die unzähligen verweinten und besorgten Gesichter schaust von Leuten die dich lieben macht es einem den Entschluss doch sehr leicht. 

ZUKUNFT:
Die nächsten Wochen werde ich brav zur Therapie gehen und am 26. August wird die Fixierung aus dem Hüftknochen entfernt und die Drähte im großen Zehen. Anschließend wahrscheinlich zur Reha, dass alles hängt aber von der OP Ende August ab....bin aber kämpferisch genug um jetzt schon zu behaupten, dass wird schon wieder!

Damit ich mich nicht auch noch mit der Judikatur Österreichs herumschlagen muss, haben Andrea und ich uns einen Rechtsbeistand in Form von Dr. Kreuzberger, Graz geholt.

WILL BE CONTINUED!!!

>>>Hier ein paar Bilder unserer Ausrüstung, vom Motorrad und meinen Verletzungen am Bein<<<
(ACHTUNG am Motorradstiefel ist auch Blut zu sehen!!!)

Bericht: Kleine Zeitung vom 19. Juli 2008